Erstmals eine Immobilie kaufen: 15 Tipps für Erstkäufer
Für die meisten Menschen ist der Immobilienkauf die größte Entscheidung ihres Lebens – und sie machen es nur ein- oder zweimal. Kein Wunder, dass Erstkäufer häufig Fehler machen, die teuer werden können. Diese 15 Tipps helfen Ihnen, sicher und informiert vorzugehen.
Finanzielle Grundregeln für Erstkäufer

- Tipp 1: Eigenkapital vor dem Kauf aufbauen. Banken finanzieren in der Regel maximal 80–90 % des Kaufpreises. Plus: Kaufnebenkosten (10–15 %) immer aus Eigenkapital. Planen Sie mindestens 20–25 % Eigenkapital ein.
- Tipp 2: Nebenkosten nicht vergessen. Grunderwerbsteuer, Notar und ggf. Makler können 10–15 % extra kosten. Bei 400.000 € sind das 40.000–60.000 € allein Nebenkosten.
- Tipp 3: Belastung prüfen. Die monatliche Rate sollte maximal 35 % Ihres Nettoeinkommens betragen. Bei 3.000 € netto: max. 1.050 € Rate.
- Tipp 4: Zinsbindung lang wählen. Für Erstkäufer empfehlen Experten 15–20 Jahre Zinsbindung für Planungssicherheit.
Tipps zur Objektauswahl
- Mehrere Gutachten einholen: Lassen Sie die Immobilie von einem unabhängigen Sachverständigen bewerten – Mängel im Keller, am Dach oder in der Heizung werden beim Besichtigungstermin oft übersehen.
- Grundbuch genau prüfen: Im Grundbuch stehen eingetragene Lasten wie Grundschulden, Wegerechte oder Wohnrechte. Prüfen Sie Abteilung II und III sorgfältig vor der Unterschrift.

- Tipp 5: Lage ist alles. Sie können ein Haus renovieren, aber nicht die Lage ändern. Investieren Sie Zeit in die Lagenanalyse.
- Tipp 6: Gutachter beauftragen. Gerade bei Bestandsimmobilien: Ein Sachverständiger findet versteckte Mängel (Schimmel, Feuchte, alte Leitungen).
- Tipp 7: Grundbuch prüfen lassen. Vor dem Kauf: Gibt es Belastungen, Wegerechte oder alte Hypotheken? Der Notar prüft das – fragen Sie ihn aktiv.
- Tipp 8: Energieausweis lesen. Ein schlechter Energieausweis (Klasse F, G, H) bedeutet hohe laufende Kosten und ggf. Sanierungspflicht.
Rechtliche Tipps
- Tipp 9: Kaufvertrag früh lesen. Sie haben das Recht auf 2 Wochen Bedenkzeit beim Notar. Nutzen Sie diese – lassen Sie einen Anwalt drüberschauen.
- Tipp 10: Kein Handgeld zahlen. Zahlen Sie nie Geld vor dem Notartermin. Seriöse Verkäufer verlangen das nicht.
- Tipp 11: Mündliche Zusagen schriftlich fixieren. Was im Kaufvertrag nicht steht, gilt nicht. Einbauküche, Reparaturen, Übergabedatum – alles schriftlich.
Psychologische Tipps
- Tipp 12: Nicht verlieben, bevor die Finanzen stimmen. Kaltes Kopfrechnen schlägt Bauchgefühl beim Kauf.
- Tipp 13: Marktpreise kennen. Vergleichen Sie mindestens 20 ähnliche Objekte in der Region, bevor Sie ein Angebot machen.
- Tipp 14: Verhandeln Sie immer. 3–10 % Verhandlungsspielraum sind üblich. Auch in angespannten Märkten.
- Tipp 15: Zweitmeinung einholen. Eine zweite Person (Partner, Freund, Sachverständiger) sieht Dinge, die Sie im Kaufrausch übersehen.

Tipp: Der häufigste Fehler bei Erstkäufern: Sie unterschätzen die monatlichen Nebenkosten (Grundsteuer, Versicherungen, Instandhaltungsrücklage, Energie). Planen Sie pro Monat mindestens 1–1,5 € pro m² für Instandhaltung ein.
Weiter lesen: Die komplette Kauf-Checkliste, Eigenkapitalbedarf berechnen, Häufige Fehler vermeiden.
Erstkäufer-Ratgeber 2025: Was niemand einem erzählt — aber jeder wissen sollte
Erstkäufer machen systemische Fehler — nicht weil sie unklug sind, sondern weil das System darauf ausgelegt ist sie auszunutzen. Dieser Ratgeber sagt was.
Was Banken Erstkäufer nicht sagen
- Der erste Termin ist Datensammlung: Banken holen Erstgespräch-Infos um das Angebot zu optimieren — nicht um Ihnen das günstigste zu nennen. Immer 3–5 Banken parallel anfragen.
- Effektivzins ≠ Nominalzins: Banken werben mit Nominalzins. Effektivzins enthält alle Kosten — das ist die Vergleichsbasis.
- 10 % Sondertilgung fast immer verhandelbar: Standardklausel mit minimalem Aufpreis einbauen lassen. Ermöglicht flexible Tilgung ohne Vorfälligkeitsentschädigung.
Was Makler Erstkäufer nicht sagen
- Makler vertritt den Verkäufer: Auch wenn Käufer die Hälfte der Provision zahlt — der Makler hat den Auftrag des Verkäufers. "Ihr Freund" ist er nicht.
- "Andere Interessenten" ist oft eine Verhandlungstaktik — kein Grund überstürzt zu entscheiden.
- Kaufpreis-Empfehlung des Maklers ist oft zugunsten des Verkäufers — eigene Recherche nötig.
Erstkäufer-Fehler Nummer 1: Das erste seriöse Objekt kaufen. Der Markt braucht Zeit zu verstehen. Mindestens 10–15 Besichtigungen machen bevor man kauft — dann entsteht echtes Gefühl für Preis-Leistungs-Verhältnisse.
Erstkäufer-Checkliste: Was vor dem Kauf erledigt sein muss
| Phase | Aufgabe | Zeitrahmen |
|---|---|---|
| Vorbereitung | Eigenkapital ermitteln, SCHUFA prüfen, Budget festlegen | 6–12 Monate vorher |
| Finanzierung | Bankgespräche führen, Finanzierungszusage einholen | 3–6 Monate vorher |
| Suche | Lage definieren, Exposés vergleichen, Besichtigungen organisieren | laufend |
| Prüfung | Grundbuch, Baugenehmigung, Gutachter beauftragen | nach Zusage |
| Abschluss | Notartermin, Grunderwerbsteuer zahlen, Schlüsselübergabe | 4–8 Wochen |
Die häufigsten Fehler von Erstkäufern
- Kaufnebenkosten vergessen: Viele Erstkäufer planen nur den Kaufpreis ein. Die Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Makler) können 8–15 % extra ausmachen — und müssen aus Eigenkapital bezahlt werden.
- Zu kurze Zinsbindung: Wer auf 5-jährige Zinsbindung setzt, um Geld zu sparen, geht ein erhebliches Zinsänderungsrisiko ein. Für Erstkäufer empfiehlt sich mindestens 15 Jahre.
- Auf Gutachter verzichten: Mängel an Dach, Heizung oder im Keller sind beim Besichtigungstermin kaum erkennbar. Ein unabhängiger Gutachter kostet 500–1.000 Euro und kann Zehntausende Euro Reparaturkosten verhindern.
- Grundbuch nicht prüfen: Eingetragene Grundschulden, Wegerechte oder Wohnrechte können den Wert der Immobilie erheblich beeinflussen. Das Grundbuch kann beim Notar eingesehen werden.
- Emotionale Entscheidungen: Beim ersten Besichtigungstermin verliebt man sich leicht. Besichtigen Sie mindestens 10–15 Objekte, bevor Sie ein Angebot abgeben.
- Keine Instandhaltungsrücklage: Als Eigentümer sind Sie für Reparaturen selbst verantwortlich. Experten empfehlen eine Instandhaltungsrücklage von 1–1,5 Euro pro Quadratmeter und Monat.
Staatliche Förderung für Erstkäufer 2025
Diese Programme sollten Erstkäufer kennen:
- KfW-Wohngebäudekredit: Zinsgünstige Darlehen bis 150.000 Euro pro Wohneinheit, kombinierbar mit dem Bankkredit. Besonders attraktiv für energieeffiziente Neubauten.
- Baukindergeld (abgelaufen, Nachfolge prüfen): Das klassische Baukindergeld ist ausgelaufen — aktuelle Förderungen der Bundesländer (Bayern: 300 Euro/Kind/Jahr) und kommunale Programme lohnt es, zu prüfen.
- Wohn-Riester: Eigenheimrente — Riester-Guthaben kann für Eigennutzung genutzt werden. Steuerliche Förderung möglich.
- Eigenheimzulage auf Länderebene: Mehrere Bundesländer bieten eigene Programme. Aktuelle Übersicht beim jeweiligen Landesförderinstitut.
Häufige Fragen für Erstkäufer
Wie viel Eigenkapital brauche ich als Erstkäufer?
Mindestens 20 % des Kaufpreises plus die Kaufnebenkosten (8–15 % je nach Bundesland). Bei einer Immobilie für 350.000 Euro bedeutet das ca. 70.000 Euro Eigenkapital-Mindestanteil plus 35.000–52.000 Euro Nebenkosten — also 105.000–122.000 Euro gesamt. Mit mehr Eigenkapital sinken Zinssatz und monatliche Belastung erheblich.
Wann sollte ich eine Finanzierungszusage einholen?
Bevor Sie ernsthaft suchen. Ein vorab vereinbartes Finanzierungsbudget von der Bank ("Finanzierungsbestätigung") macht Sie als Käufer glaubwürdig und verhindert, dass Sie sich in Objekte verlieben, die Sie sich nicht leisten können. Diese Bestätigung ist in 3–5 Werktagen zu bekommen.
Muss ich immer einen Makler beauftragen?
Nein. Viele Immobilien werden ohne Makler verkauft (Privatverkauf). In diesem Fall entfällt die Maklerprovision komplett — das spart 3,57 % des Kaufpreises. Allerdings erfordern Privatverkäufe mehr Eigeninitiative bei der Suche auf Plattformen wie ImmoScout24, Immowelt und Kleinanzeigen.
Wie lange dauert der Kaufprozess insgesamt?
Von der Finanzierungszusage bis zur Schlüsselübergabe typischerweise 8–12 Wochen: Kaufvertragsentwurf (1–2 Wochen), Notartermin (1 Woche), Grunderwerbsteuer zahlen (4 Wochen), Unbedenklichkeitsbescheinigung, Grundbucheintragung (4–6 Wochen). Planen Sie insgesamt 3–4 Monate ab dem Zeitpunkt, an dem Sie sich für ein Objekt entscheiden.
Kann ich als Erstkäufer auch in eine Eigentumswohnung investieren statt ein Haus zu kaufen?
Ja — eine Eigentumswohnung ist oft günstiger im Einstieg und weniger wartungsintensiv. Beachten Sie jedoch die laufenden Hausgeldkosten (WEG-Verwaltung, Instandhaltungsrücklage) und prüfen Sie die Gemeinschaftsordnung sowie das Protokoll der letzten Eigentümerversammlungen sorgfältig.
Ähnliche Artikel
Grundriss lesen: Symbole und Tipps für Käufer
Ein Grundriss verrät mehr als tausend Fotos. Welche Symbole was bedeuten, was einen guten Schnitt ausmacht und welche roten Flags Sie früh erkennen sollten.
Wohnimmobilien vs. Gewerbe: Welche Anlage lohnt?
Büros, Läden und Lagerhallen vs. Mietwohnungen – beide Klassen haben unterschiedliche Renditen, Risiken und steuerliche Behandlungen. Ein fundierter Vergleich für Investoren.
Häufige Fragen
Notarkosten betragen ca. 1,0–1,5 % des Kaufpreises, hinzu kommt die Grundbucheintragung mit weiteren 0,5 %. Beide Kosten sind gesetzlich geregelt und nicht verhandelbar.
100 %-Finanzierungen sind möglich, aber deutlich teurer. Banken verlangen Risikoaufschläge ab 0,3–0,8 %, und Sie brauchen trotzdem die Kaufnebenkosten (ca. 10–15 %) aus eigenen Mitteln.
Durchschnittlich 4–8 Monate: 2–4 Monate Suche, 4–6 Wochen für Finanzierung und Notartermin, dann 1–4 Wochen bis zur Kaufpreiszahlung und Übergabe.