Grundsteuerreform 2025: Neue Berechnung, höhere Kosten?
Grundsteuer-Rechner 2025
Bundesmodell (gilt für ~12 Bundesländer). Bayern, BW, Hamburg, Hessen, Niedersachsen und Saarland haben eigene Modelle — dort Bescheid der Gemeinde nutzen.
Warum wurde die Grundsteuer reformiert?

Das Bundesverfassungsgericht kippte 2018 die alte Grundsteuerberechnung — sie beruhte auf Einheitswerten aus dem Jahr 1964 (West) bzw. 1935 (Ost). Ab 2025 gilt die neue Bewertung nach dem Bundesmodell oder Ländermodellen.
Das neue Berechnungsmodell (Bundesmodell)
- Werbungskosten vollständig absetzen: Zinsen, Verwaltungskosten, Reparaturen, Fahrtkosten zur Immobilie und anteilige Steuerberatungskosten sind als Werbungskosten absetzbar.
- Steuerliche Verluste nutzen: Anfangsverluste durch hohe Finanzierungskosten können mit anderen Einkunftsarten verrechnet werden – wichtig für die Steuerplanung in den ersten Jahren.

Die Grundsteuer berechnet sich in drei Schritten:
- Grundsteuerwert: Neubewertung nach Bodenwert, Gebäudewert und Mietniveaustufe
- Steuermesszahl: 0,34 ‰ für Wohngebäude (Bundesmodell)
- Hebesatz: Multiplikator der Gemeinde (unterschiedlich!)
Formel: Grundsteuerwert × Steuermesszahl × Hebesatz = Grundsteuer
Welche Bundesländer nutzen eigene Modelle?
| Bundesland | Modell | Besonderheit |
|---|---|---|
| Bayern | Flächenmodell | Nur Fläche, kein Wert |
| Baden-Württemberg | Bodenwertmodell | Nur Bodenwert, kein Gebäude |
| Hamburg | Wohnlage-Modell | Abzug für Wohnlagen |
| Hessen | Flächen-Faktor-Modell | Fläche + Lagefaktor |
| Niedersachsen | Flächen-Lage-Modell | Ähnlich Hessen |
| Rest (11 BL) | Bundesmodell | Wertbasiert |
Aufkommensneutralität: Versprechen der Politik
Die Politik versprach "aufkommensneutrale" Reform — Gemeinden sollen nicht mehr einnehmen als vorher. Dafür müssten viele Gemeinden ihre Hebesätze senken. In der Praxis ist das jedoch nicht garantiert und wird lokal sehr unterschiedlich umgesetzt.
Was bedeutet das für Hauseigentümer?
- Grundsteuerbescheid 2025 genau prüfen: Enthält Grundsteuerwert + Steuermessbetrag
- Bis 30 Tage nach Bescheid: Einspruch möglich
- Wer als Vermieter Grundsteuer umlegt: Muss neue Beträge in Nebenkostenabrechnung aktualisieren
- Umlagefähig: Ja, Grundsteuer bleibt Betriebskosten

Wie hoch ist die Grundsteuer für ein typisches Eigenheim?
| Beispiel | Alt (bis 2024) | Neu (ab 2025) |
|---|---|---|
| Einfamilienhaus München | ca. 400–600 €/Jahr | ca. 500–900 €/Jahr (geschätzt) |
| Einfamilienhaus Ruhrgebiet | ca. 700–1.000 €/Jahr | ca. 700–1.100 €/Jahr |
| Wohnung Berlin (50 m²) | ca. 150–250 €/Jahr | ca. 200–400 €/Jahr |
Achtung: Diese Schätzungen sind vereinfacht. Exakte Beträge hängen vom Hebesatz der Gemeinde ab.
Einspruch einlegen: Lohnt sich das?
Ja, wenn der Grundsteuerwert unrealistisch hoch ist. Vorgehen:
- Grundsteuerwertbescheid genau prüfen
- Eigenes Gutachten oder Vergleichswerte recherchieren
- Einspruch beim zuständigen Finanzamt (Frist: 1 Monat)
- Steuerberater oder Hausverwaltung hinzuziehen
Grundsteuerreform 2025: Warum das Verfassungsgericht eingriff — und was sich für Eigentümer ändert
Das Bundesverfassungsgericht erklärte 2018 die bisherige Grundsteuer für verfassungswidrig. Der Grund: Einheitswerte aus den Jahren 1964 (West) und 1935 (Ost) wurden noch immer verwendet — obwohl sie die realen Wertverhältnisse völlig falsch abbildeten. Das Gericht gab bis Ende 2024 Zeit für eine neue Regelung.
Vor der Reform: Was war das Problem?
Zwei Häuser nebeneinander: Haus A gebaut 1960, Haus B modernisiert 2010. Einheitswert von 1964: beide gleich. Tatsächliche Marktwerte 2020: Haus A vielleicht 300.000 €, Haus B 500.000 €. Die Grundsteuer war identisch — ein klarer Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz.
Was die Reform konkret ändert
| Aspekt | Vor Reform (bis 2024) | Nach Reform (ab 2025) |
|---|---|---|
| Bewertungsbasis | Einheitswerte 1964/1935 | Neue Grundsteuerwerte 2022 |
| Aktualität | Veraltet (60–90 Jahre) | Regelmäßige Anpassung |
| Gleichheit | Stark ungleich | Marktnäher, aber noch Unterschiede |
| Öffnungsklausel | Nein | Ja — Länder können abweichen (Bayern, BW etc.) |
| Transparenz | Kaum nachvollziehbar | Bescheide jetzt mit Berechnungsweg |
Das Ziel "aufkommensneutral" bedeutet: Der Staat insgesamt soll nicht mehr Grundsteuer einnehmen als vorher — aber die Verteilung zwischen Eigentümern ändert sich stark.
Grundsteuer berechnen: Die 3-Schritte-Formel
Nach dem Bundesmodell gilt ab 2025:
| Schritt | Formel | Beispiel |
|---|---|---|
| 1. Grundsteuerwert | Bodenrichtwert x Fläche + Gebäudewert | ca. 180.000 Euro |
| 2. Steuermessbetrag | Grundsteuerwert x Steuermesszahl (0,034 %) | 61,20 Euro |
| 3. Grundsteuer B | Steuermessbetrag x Hebesatz (z.B. 350 %) | 214,20 Euro/Jahr |
Der Hebesatz wird von jeder Gemeinde festgelegt: München 535 %, Berlin 810 %, Frankfurt 500 %. Unser Grundsteuer-Rechner berechnet Ihr Bundesland direkt.
Bundesmodell vs. Ländermodelle
| Bundesland | Modell | Besonderheit |
|---|---|---|
| Bayern | Flächenmodell | Nur Grundstücks- und Gebäudefläche — kein Wert |
| Baden-Württemberg | Bodenwertmodell | Nur Bodenrichtwert x Fläche |
| Hamburg | Wohnlagenmodell | Lagetyp beeinflusst Steuermesszahl |
| Hessen | Flächen-Faktor-Modell | Lage-Faktor aus Bodenrichtwert |
| Übrige 11 BL | Bundesmodell | Ertragswert- bzw. Sachwertverfahren |
Häufige Fragen zur Grundsteuer-Reform 2025
Zahlt man 2025 wirklich mehr Grundsteuer?
Das ist regional sehr unterschiedlich. In Städten mit stark gestiegenen Bodenrichtwerten könnten die Steuern steigen, wenn Gemeinden die Hebesätze nicht anpassen. Viele Kommunen haben aufkommensneutrale Hebesätze angekündigt.
Wann kommen die neuen Grundsteuerbescheide?
Die reformierten Bescheide wurden ab Januar 2025 von den Gemeinden verschickt. Die Grundsteuererklärungen mussten bis 2023 abgegeben werden.
Was ist der Unterschied zwischen Grundsteuer A und B?
Grundsteuer A gilt für land- und forstwirtschaftliche Flächen. Grundsteuer B gilt für alle bebauten und bebaubaren Grundstücke. Seit 2025 gibt es optional die Grundsteuer C für baureife, unbebaute Grundstücke — zur Eindämmung von Bauland-Spekulation.
Kann man den Grundsteuerwert anfechten?
Ja. Gegen den Bescheid kann Einspruch eingelegt werden, wenn der Wert nachweislich zu hoch ist — z.B. durch ein Gutachten oder falsche Grundstücksdaten. Die Einspruchsfrist beträgt einen Monat nach Bekanntgabe.
Häufige Fragen
Indirekt ja — die Grundsteuer ist eine umlagefähige Betriebskosten und kann auf Mieter umgelegt werden.
Seit Anfang 2025 erhalten Eigentümer neue Bescheide. Ab dann gilt die neue Berechnungsbasis.
Ja, Mieteinnahmen sind Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung und werden mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert. Werbungskosten (Zinsen, AfA, Kosten) können gegengerechnet werden.
Ja, Verluste aus Vermietung und Verpachtung werden mit anderen Einkunftsarten verrechnet (Verlustausgleich). Das ist besonders in den ersten Jahren mit hohen Finanzierungskosten steuerlich vorteilhaft.