Mietvertrag aufsetzen: Das müssen Vermieter wissen

Mietvertrag aufsetzen: Das müssen Vermieter wissen

21. Okt. 2022 · 3 Min Lesezeit · Vermieten

Warum der Mietvertrag so wichtig ist

bewertung wartet mann cafe handy liest nachrichten

Der Mietvertrag ist die rechtliche Grundlage des Mietverhältnisses. Ein fehlendes Detail, eine unwirksame Klausel oder ein vergessener Passus kann später zu kostspieligen Rechtsstreitigkeiten führen. Besonders bei Schönheitsreparaturen, Kaution und Nebenkosten gibt es immer wieder Streit.

Pflichtangaben im Mietvertrag

Praxis-Tipps
  • Kaltmiete korrekt ansetzen: Orientieren Sie sich am lokalen Mietspiegel. Liegt Ihre Miete mehr als 20 % über der ortsüblichen Vergleichsmiete, riskieren Sie rechtliche Konsequenzen nach dem Mietrecht.
  • Kaution rechtssicher abwickeln: Die Kaution darf maximal 3 Nettokaltmieten betragen und muss zinsbringend separat vom Eigenvermögen angelegt werden.
bewertung wohnzimmer frau laptop rechner zahlen tippt
  • Namen und vollständige Adressen beider Parteien
  • Genaue Bezeichnung der Mietsache (Lage, Etage, Wohnnummer)
  • Wohnfläche in Quadratmetern (bei Abweichung > 10 % Mietminderungsrecht)
  • Mietbeginn und ggf. -ende
  • Höhe der Nettokaltmiete
  • Höhe der Betriebskostenvorauszahlung
  • Kaution (max. 3 Nettokaltmieten)
  • Erlaubnis oder Verbot der Tierhaltung

Häufig unwirksame Klauseln

KlauselWarum unwirksam
"Mieter malt alle X Jahre"Starre Fristenpläne sind BGH-weit unwirksam
"Kaution 4 Monatsmieten"Gesetzliche Obergrenze: 3 Nettokaltmieten
"Keine Kleinreparaturen durch Mieter"Klausel muss Betrag & Häufigkeit begrenzen
Haustierverbot generellNur artgerechte Tiere können eingeschränkt werden
Kündigung ohne Frist bei MietrückstandGesetzliche Kündigungsfristen gelten zwingend

Schönheitsreparaturen rechtssicher regeln

Die Schönheitsreparaturen sind eines der häufigsten Konfliktthemen. Folgende Regelung gilt als BGH-konform:

„Der Mieter ist verpflichtet, die Schönheitsreparaturen in den Mieträumen nach Bedarf, spätestens jedoch nach Ablauf folgender Fristen seit Beginn des Mietverhältnisses durchzuführen: Küche, Bad, Dusche und Toilette alle 3 Jahre; Wohn- und Schlafräume, Flure, Dielen und Toiletten alle 5 Jahre; sonstige Nebenräume alle 7 Jahre."

Wichtig: Der Zustand bei Einzug muss berücksichtigt werden. Zieht jemand in eine frisch renovierte Wohnung, beginnt die Frist. Bei unrenovierter Übergabe kann die Verpflichtung eingeschränkt sein.

Nebenkosten: Was abrechenbar ist

Nur Betriebskosten laut Betriebskostenverordnung (BetrKV) dürfen umgelegt werden:

  • Grundsteuer, Wasserver- und -entsorgung
  • Heizkosten (Pflicht zur Heizkostenabrechnung nach HeizkostenV)
  • Hausmeister, Gartenpflege, Hausreinigung
  • Aufzug, Beleuchtung, Schornsteinreinigung
  • Versicherungen (Gebäude-, Haftpflicht)
  • bewertung wohnzimmer mann laptop headset videocall

Nicht umlegbar: Verwaltungskosten, Reparaturen, Instandhaltungsrücklagen, Leerstandskosten.

Empfehlung: Verbandsformular nutzen

Verwenden Sie einen aktuellen Mietvertrag des Deutschen Mieterbundes, des Haus & Grund-Verbandes oder eines Fachanwalts. Veraltete oder selbst erstellte Verträge enthalten oft unwirksame Klauseln, die im Streitfall das gesamte Vertragsverhältnis beeinflussen können.

Mietvertrag: 10 häufige Fehler und wie man sie vermeidet

  1. Kein Übergabeprotokoll: Ohne Protokoll kein Nachweis des Zustands beim Einzug — Schäden later schwer beweisbar
  2. Falsche Mietfläche: Über 10 % falsch = Mieter hat Minderungsrecht
  3. Betriebskosten pauschal ohne Aufschlüsselung: Vermieter riskiert Nachzahlungsausfall
  4. Fehlende Haustierregelung: Ohne Klausel: Kleintiere immer erlaubt
  5. Unwirksame Schönheitsreparaturklausel: Mieter muss dann gar nichts renovieren
  6. Fehlendes Datum: Ohne klares Mietbeginn-Datum: Streit vorprogrammiert
  7. Zu hohe Kaution: Über 3 Monats-Kaltmieten ist unzulässig
  8. Kein Hinweis auf Energieausweis: Pflicht beim Abschluss
  9. Mietpreisbremse ignoriert: In Gebieten mit Mietpreisbremse: Miete > Vergleichsmiete + 10 % = anfechtbar
  10. Untermiete nicht geregelt: Ohne Klausel: Mieter braucht Erlaubnis, kann sie aber verlangen

Pflichtinhalte und häufige Fehler im Mietvertrag

KlauselRechtlichRisiko bei Fehler
Genaue Objektbeschreibung (Adresse, Etage, Lage)PflichtUnklarheiten über Mietgegenstand
Korrekte Wohnflächenangabe (±10 % Toleranz)PflichtMietermindungsrecht bei >10 % Abweichung
Mietbetrag + BetriebskostenvorauszahlungPflichtNachforderungen anfechtbar
Betriebskostenkatalog (BetrKV § 2)Pflicht für UmlageNicht genannte Kosten nicht umlagefähig
Schönheitsreparaturen-KlauselNur zulässig wenn korrekt formuliertStarre Fristen = unwirksam (BGH)
Kaution (max. 3 Monatsmieten)BGB § 551Überhöhte Kaution = Rückforderung
HaustierhaltungIndividualvereinbarung nötigPauschalverbot = unwirksam (BGH)
KleinreparaturklauselMax. 100 € je Reparatur, max. 8 % der JahresmieteHöhere Beträge = unwirksam

5 unwirksame Klauseln, die Vermieter vermeiden sollten

  1. Starre Renovierungsfristen: "Alle 5 Jahre Küche streichen" ist unwirksam – nur flexible Formulierungen gemäß BGH-Rechtsprechung erlaubt.
  2. Vertragsstrafe bei Verstoß: Vertragsstrafen sind im Wohnraummietrecht unzulässig (§ 555 BGB analog).
  3. Pauschales Haustierverbot: Kleintiere können nicht generell verboten werden. Rauchen nur eingeschränkt regelbar.
  4. Komplettübertragung Schönheitsreparaturen ohne Abzug: Bei unrenoviert übergebener Wohnung unwirksam (BGH VIII ZR 185/14).
  5. Untermiete komplett untersagen: § 553 BGB gibt Mieter ein Anrecht auf Genehmigung bei berechtigtem Interesse.

Musterverträge des Bundesjustizamts bieten rechtssichere Formulierungen. Unser Guide zu Mieter finden und prüfen ergänzt diese Checkliste.

Tags:
Mietvertrag Vermieter Mietrecht Klauseln
ImmobilienRechner24 Redaktion
ImmobilienRechner24 Redaktion Geprüft
Veröffentlicht: 21. Okt. 2022

Dieser Artikel wurde von der ImmobilienRechner24-Redaktion verfasst und auf fachliche Richtigkeit geprüft. Alle Rechner und Formeln basieren auf aktuellen gesetzlichen Grundlagen (Stand 2026).

Ähnliche Artikel

Häufige Fragen